Das ELFENBEIN des Biber

Die Entdeckungsgeschichte


Nahrungsfloß vor Biberbau
Nahrungsfloß vor Biberbau

Das Elfenbein des Biber ist ausschließlich in der nördlichen Hemisphäre der Erde zu finden. Der Ausbreitungsgürtel erstreckt sich von Alaska, Kanada und USA, über Nord-Europa und Eurasien, rund um den Globus. Der Fundort des Biber-elfenbein ist identisch mit dem Lebensraum des Biber. Sein Verbreitungsgebiet wird nach Norden und Süden, durch die Temperatur begrenzt: Im Norden durch den Dauerfrostboden und die Waldgrenze, im Süden durch die hohen Temperaturen. Diese nördlichen und südlichen Extreme überfordern die thermoregulatorischen Fähigkeiten des Biber und lassen ihn deshalb auf eine für ihn begrenzte klimafreundliche Fläche um den Planeten leben.

 

Das Biberelfenbein ist ausschließlich ein geschaffenes Produkt des Biber. Kein anderes Wildtier hat die Fähigkeit einen 20 m hohen Baum zu fällen, diesen in eine Vielzahl von Einzelteilen zu zerlegen, den Stamm, sowie alle Äste und Zweige völlig zu entrinden und jedes einzelne Teil als ein einmaliges Produkt, in intensiver Mundarbeit, zu bearbeiten. Dieses nature art Werk des Biber ist für Deutschland und West-Europa ein epochales Geschenk der Natur. Die, mit den jeweils vorderen zwei Schneidezähnen im Ober- und Unter-kiefer, behauene, nackte Oberflächenstruktur des Rohstoffes aus dem bevorzugten Weiden- und Pappelholz, ist das Markenzeichen des Biberelfenbein. Mit diesen eingemeißelten Parallelriefen wird das schlichte, daliegende Holz auf dem Boden zu einem Zeichen der Wiedergeburt. Für den Einen ist es nur ein Stück Holz, für den Anderen ein Edelstein, der die Kraft hat, die Natur, die Landschaft und die Menschen zu verändern. Im Elfenbein des Biber ist eine Schau in die Zukunft eingegraben, die den Sehenden verzückt. Jede einzelne Kerbe in der Oberflächenstruktur des Biberelfenbein symbolisiert die stete, unerschütterliche Abarbeitung des wilden Tieres an der drohenden, globalen Apokalypse. Jede Riefe im Holz zeigt den unerschütterlichen Mut des Nagers, den Kampf um sein Territorium niemals aufzugeben. Ist die Lage für den Biber alleine auch aussichtslos, so treibt er mit seinen Zähnen die Gestaltung für einen wilden, unberührten Lebensraum in Deutschland und Europa dennoch voran. Die, die sich mitreißen lassen Mitgestalter und Eroberer eines neuen ungezähmten Landschaftsbildes und Lebensraumes zu sein, sind seine Verbündete. Gemeinsam werden sie die Landschaft in Deutschland und West-Europa nachhaltig verändern.

 

Das Elfenbein des Biber ist behauendes Gold, das sein Geheimnis in der Schlichtheit seines Auftretens bewahrt. Erst der Kenner entschlüsselt die Botschaft des bearbeiteten Holzes durch die Perspektive des Naturschützers. Wer die Natur und ihre Unberührtheit schätzt, wird mit seinem ganzen Herzen alles versuchen sie zu schützen und zu bewahren. Hier liegt der Schlüssel, der die Weite des Denkens und des Wollens aufschließt. Es geht nicht ausschließlich um den Biber, es geht letztlich um den Planeten und damit um den Menschen selbst. Das, was der Biber uns anbietet ist eine gute Chance, die Wende im Niedergang der Natur zu schaffen.

 

Dass heute über 98 % der Fläche Deutschlands Nutz- und Wirtschaftsfläche sind belegt, dass der Kollaps der Natur in unserem Land bereits vollzogen ist. Diesen Status nicht hinzunehmen, das zeigt der nach 150 Jahren Abwesenheit zurückgekehrte Biber mit jedem neuen wilden Revier, das er in unermüdlicher Zielstrebigkeit anlegt. In nicht allzu ferner Zukunft wird der Nager Deutschland flächendeckend zurückerobert und neu gestaltet haben. Jeder Bach, jeder Fluss, jeder Teich und jeder See wird seine Heimat sein.

 

 

"Seit Urzeiten gehört der Biber zum Bach,

 

wie die Biene zur Blüte."

 

                                                                                                                                        Hartmut Schott     

 

Die Spuren des Nagers kann der aufmerksame Naturbeobachter jetzt schon überall sehen. Die hellen Nagespuren an Bäumen und Sträuchern weisen ihm den Weg. Das Elfenbein des Biber “wächst“ ausschließlich im Spätherbst und Winter, wenn der Nager im Jahreslauf mit dem Fällen von Bäumen beginnt. Das ist die Jahreszeit in der sich der Biber auf Winternahrung einstellt. Die Rinde der gefällten Bäume wird jetzt sein Hauptnahrungsmittel. Die zarten Zweige der gefällten Bäume werden als Nahrungsvorrat am Eingang zu seiner Behausung im Wasser festgemacht und schichtenweise aufeinandergelegt. Dieser Wintervorrat dient dem Nager, insbesondere bei starkem Frost und zugefrorenem Gewässer, als stets zugängliche Nahrungsquelle, die er aus seinem Unterwasserzugang bequem erreichen kann.

 

Das abgenagte, behauende Holz des Biberelfenbein muss im frischen Zustand gesammelt werden. Ist das rohe Holz der Witterung zu lange ausgesetzt, verliert es den wertvollen Glanz des Elfenbeinfarbtons. Der helle, weiß-beige, warme Farbton des freigelegten nackten Holzes, schafft den verblüffenden Elfenbeineffekt. Haben die Hölzer in Länge und Form zusätzlich die Größe eines Elefantenstoßzahnes, ist die Assoziation mit dem Elfenbein des Elefanten perfekt. Das Wort Elfenbein bezeichnet im engeren Sinn die Knochen des Elefanten und im weiteren Sinn die Substanz der Stoßzähne. Das Elfenbein des Bibers besteht dagegen aus einer Substanzkombination, die sich aus immateriellen und materiellen Bausteinen zusammensetzt. Augenscheinlich liegt nur das nackte, hart-behauende Stück Holz in der Hand, gleichzeitig jedoch auch die Vision von der Wiedergeburt einer neuen, wilden, ungezähmten Natur in Deutschland. Diese Kulmination übersteigt den rein stofflichen Substanzgehalt der Stoßzähne eines Elefanten, der dezimiert am Rand der Ausrottung lebt.

 

Im Winter 2014/15 hat der Naturschützer und Entdecker des Biberelfenbein, Hartmut Schott, zum ersten Mal damit begonnen abgenagtes Holz des Bibers zu sammeln. Das Ausmaß der Intention war ihm nicht bewusst. Die Holzstücke nahm er als Ausdruck einer inneren Verbundenheit und Nähe zum Tier an sich und bewegte gleichzeitig die Frage, ob es ethisch ist. Erst ein Jahr später erkannte er den Wert der ungeschliffenen Edelsteine und gab ihnen den Namen Biberelfenbein. Heute sammelt der Entdecker des Biberelfenbein Objekte  mit den Maßen ab 20 cm bis 4 m. Die Größe und Form eines bis zu 4 m langen Biberelfenbeins lässt urzeitliche Atmosphäre entstehen und an Saurier und andere prähistorische Tierwelten anknüpfen. Um ihren Wert und ihre Schönheit zu erhalten, hat er begonnen die edlen Fundstücke zu bewahren. Nach einem Arbeitsablauf von reinigen, waschen, schleifen und konservieren, werden aus den wilden Hölzern edle Zeugnisse einer vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen, neuen Welt.